Parodontologie

Parodontologie/ Zahnfleischerkrankungen

Die Zähne sind über den Zahnhalteapparat mit dem Knochen verbunden – dem so genannten Desmodont bzw. Parodont. Parodontale Erkrankungen, d.h. Erkrankungen des Zahnhalteapparates, gehören zu den häufigsten chronischen Krankheiten überhaupt.

Ursache ist ein Missverhältnis zwischen „nützlichen“ und „schädlichen“ Bakterien in der Mundhöhle. Über 500 verschiedene Bakterienarten wurden bisher nachgewiesen. Im gesunden Mund sind genügend „good guys“ vorhanden, um die Vermehrung der schädlichen Erreger zu verhindern. Eine Erkrankung kann erst dann auftreten, wenn die krankheitsverursachenden Mikroorganismen die Oberhand gewinnen und ihre schädlichen Eigenschaften entfalten können.

Eine ganze Reihe von Faktoren kann zu einer Verschiebung zugunsten der schädlichen Bakterien beitragen: ungenügende Mundhygiene, Stress, Rauchen, Allgemeinerkrankungen, sowie eine genetische Veranlagung. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Plaque bzw. der Zahnbelag. Er wird auch als Biofilm bezeichnet. Durch Einlagerung von Kalk wird der Biofilm zu Zahnstein.

Nach aktuellem Erkenntnistand sind etwa fünf besonders „bösartige“ (parodontopathogene) Mikroorganismen bekannt. Einer dieser Erreger ist beispielsweise Aggregatibacter actinomycetemcomitans. Insbesondere diese Bakterien lösen über Giftstoffe (z.B. Endo- bzw. Exotoxine) eine Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) aus. Rötung und Schwellung sind typische Anzeichen. Bemerkt wird sie oft erst, wenn das Zahnfleisch beim Zähneputzen blutet. Schmerzen treten eher selten auf, meistens erst dann, wenn die Erkrankung bereits weit vorangeschritten ist.

Steht der Biofim jahrelang in ständigem Kontakt mit den sogenannten Saumzellen des Zahnfleisches, oder sind parodontopathogene Mikroorganismen vorhanden, breitet sich die Entzündung weiter in die Tiefe aus und befällt allmählich den Knochen und die Wurzelhaut (auch Desmodont genannt). Die Gingivitis entwickelt sich zur Parodontitis. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Lockerung der Zähne und schließlich zum Zahnverlust. Ab dem 40sten Lebensjahr gehen mehr Zähne durch Parodontitis verloren als durch Karies.

Die parodontale Erkrankung ist nicht auf die Mundhöhle beschränkt. Parodontitiserreger werden mit systemischen Erkrankungen, wie z.B. Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes, sowie mit Frühgeburten in Zusammenhang gebracht. Die erfolgreiche Vorbeugung und Behandlung der Parodontitis dient nicht nur dem Zahnerhalt, sondern auch der Senkung des Risikos für diese Erkrankungen.

Frühzeitige Erkennung, individuelle Diagnostik einschließlich der beteiligten Mikroorganismen (DNS-Sondentest) und entsprechende Behandlungsmaßnahmen können die Parodontitis zum Stillstand bringen. Je nach Fall reicht das Spektrum der Behandlung einer Parodontitis von intensiven Mundhygienemaßnahmen über Taschenbehandlungen, chirurgischen Eingriffen bis zur medikamentösen Therapie.

Eine Reihe von Faktoren beeinflusst die Langzeitstabilität der parodontalen Behandlung maßgeblich. Ohne eine gute Mundhygiene seitens des Patienten ist kein befriedigendes Ergebnis möglich. Da bedeutet neben Zähneputzen der regelmäßige Gebrauch von Zahnseide bzw. Zwischenraumbürstchen. Je nach Fall sind 1-4 mal pro Jahr professionelle Zahnreinigungen erforderlich. Zu diesen Terminen wird der Zustand des Zahnfleisches kontrolliert. Ggf. ist eine erneute Taschenbehandlung erforderlich – in schweren Fällen sogar bis zu 2-3 mal pro Jahr. Wenn Patient und Zahnarzt bzw. Praxisteam zusammenarbeiten, ist der Erhalt der eigenen Zähne bis ins hohe Lebensalter möglich!